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MeisterGlanz

Kickstarter Watch Special: Die Sache mit dem Vertrauen (Kommentar)

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Vor kurzem ging ein Fall durch die Medien indem jemand versuchte über ein Kickstarterprojekt Geld für ein Fakespiel einzusammeln. Ich möchte in diesem Beitrag über die Vor- und Nachteile aber auch über Chancen und Gefahren von Kickstarter sprechen.

Klären wir aber zunächst was Kickstarter überhaupt ist und wozu es gut ist.

Das System Kickstarter

Kickstarter, das ist eine Webseite auf der Kreative und Kulturschaffende (also nicht nur Spieleentwickler, sondern auch Buch- und Comicautoren, Musiker oder generell gesprochen Künstler) ihre Ideen und Konzepte einem breiten Publikum vorstellen können. Interessierte („Backer“) können dann eine so genannte „Pledge“, was erstmal nur eine Zahlungsbereitschaft über einen bestimmten Geldbetrag darstellt, einstellen.

Nach Ablauf des Zeitraums entscheidet sich dann ob die Pledge an den Kickstarterersteller ausgezahlt wird. Denn nur wenn auf diese Art das Spendenziel innerhalb des Zeitraums indem der Kickstarter läuft erreicht wird, werden die Kreditkarten der Backer belastet. Ist der Kickstarter nicht erfolgreich, muss auch niemand seine Pledge einlösen.

Die Vorteile von Kickstarter...

Dieses System hat Vorteile, sowohl für den Kreativen als auch für die Backer. Der Kreative muss nicht mit seiner Idee größere Geldgeber bzw. Investoren überzeugen, die nur auf die Zahlen von Marktforschern hören. Der Kreative ist in seiner Arbeit frei und nicht an die Anweisungen von Managern bzw. Publishern gebunden. Der Kreative kann das Produkt genau nach seinen Vorstellungen umsetzten.

Die Backer, auf der anderen Seite, bekommen ein Produkt dass sie wirklich haben wollen. Große Publisher wie EA oder Activision glauben zu wissen das Gamer die hundertste Neuauflage von Fifa oder das jährliche Update von Call of Duty mehr schätzen als z. B. Spiele aus totgesagten Genres wie das Point & Click Adventure oder Indiespiele mit frischen Ideen und Konzepten. Seien wir ehrlich, ohne Indiespiele würde sich unser Hobby nicht mehr weiterentwickeln, weil Verkaufszahlen bei Publishern wie EA und Activision das einzige sind was zählt.

Man kann das gut mit Essen vergleichen. Die meisten Leute sind mit einem Hamburger zufrieden (woran an sich nichts auszusetzen ist), aber manche möchten doch gerne mal was Neues ausprobieren, auch auf die Gefahr hin das es nicht jedem schmeckt.

Kreative, egal in welcher Branche sie tätig sind, eint dass sie ihre Arbeit lieben. Das was sie tun, tun sie gerne, mit Leidenschaft und vielleicht auch ein bisschen Stolz. Ein Kreativer der in einem Projekt für einen Investor oder Publisher arbeitet, bekommt für seine Arbeit vielleicht mehr Geld als z.B. in einem Kickstarterprojekt. Die Motivation in einem von Backern finanziertem Kickstarterprojekt ist aber eine ganz andere. Da hätten wir zunächst die angesprochene Freiheit genau das zu tun was man tun möchte, zum anderen ist man sich aber bewusst nicht von dem Geld eines gesichtslosen Publishers zu leben sondern von den Spenden von tausenden von Leuten die an die eigene Idee glauben.

Das ist eine gewaltige Motivation. Gerade Softwareentwickler, einer Berufsgruppe zu der ich auch gehöre, tendieren dazu in Projekten an denen sie Spaß haben länger zu arbeiten und neue Features umzusetzen als sie eigentlich vertraglich verpflichtet sind. Man kann sich sicher sein, dass den Kreativen die ein erfolgreiches Kickstarterprojekt begleiten sprichwörtlich die Sonne aus dem ***** scheint, sie hochmotiviert sind und eher unbezahlte Überstunden einlegen als ihr Traumprojekt untergehen zu lassen.

Als dritten Vorteil für die Backer von Spielekickstarter ist das Produkt selber anzusehen. Als Backer erhält man das Spiel ab einer bestimmten Summe, die oft unter dem Endverkaufspreis des Produktes liegt. Und dann gibt es natürlich noch etwas, was Publisher gerne mit Spielen tun bzw. deren Investoren erwarten: DRM. In der Regel entscheidet der Publisher nicht nur wie ein Spiel gestaltet wird, sondern auch unter welchen Bedingungen es der Endkunde benutzen darf. Wie wir alle wissen sind die meisten DRMs aber sehr schnell geknackt und stören danach nur noch die ehrlichen Kunden. Die meisten Spieleentwickler bieten ihren Backern inzwischen DRM freie Versionen an. Wenn die Spieleentwickler den Publishern auf diese Weise zeigen können, hier schaut her, es geht auch ohne DRM dann ist das doch eine Sache die es sich zu unterstützen lohnt, wie ich finde.

Im besten Fall ist das Produkt am Ende auch noch kommerziell so erfolgreich das der Kreative von den Einnahmen seine nächste Idee umsetzen kann, ganz ohne auf Kickstarter angewiesen zu sein.

...und die Nachteile

Aber Kickstarter hat auch seine Schattenseite. Was passiert wenn ein Projekt fehlschlägt? Wenn das Projekt doch mehr Geld verschlingt als durch den Kickstarter eingenommen wurde? Wer ein Kickstarterprojekt unterstützt muss sich bewusst sein, dass das auch nach hinten losgehen kann. Unabhängig davon ob man jetzt für die Spende einen Gegenwert, z.B. in Form eines Downloads bekommt oder nicht, das Geld ist weg. Es ist ein Glücksspiel, eine Wette wenn man so will.

Das ist eine Seite. Wie eingangs erwähnt gab es kürzlich ein Kickstarterprojekt dessen Echtheit angezweifelt wurde. Auch ich habe mir die Kickstarterseite dieses Projektes angeschaut als ich für meinen Blog recherchiert habe. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich bestimmte Kriterien nach denen ich ein Spiel zum präsentieren auswähle. Zu diesen Kriterien zählen unter anderem Konzeptgrafiken, Artworks, Screenshots, Videos, Musikstücke, ob die Entwickler sich mit Namen und Gesicht zeigen und ob bekannte Entwickler darunter sind. Nicht alle Kriterien müssen erfüllt sein. Es reichen drei oder vier.

Ein Spiel wie das oben erwähnte hätte ich jetzt nicht gezeigt. Konzeptgrafiken gab es keine, Artworks hatten keinen einheitlichen Stil, die Entwickler behaupteten im Begleittext sie wären Leute die früher bei Blizzard gearbeitet hätten, hätten außerdem Kumpels bei Pixar die sie mit Technologie versorgen würden, und ähnlichen Quatsch. Das Kickstartervideo das ich mir zum Schluss angesehen habe, machte auch keinen besseren Eindruck. Es waren die gleichen, nicht zusammenpassenden Artworks, eingeblendet auf schwarzem Grund. Anschließend durfte noch eine Person etwas zu dem Projekt sagen. Das Verhalten dieser Person war merkwürdig, ständig hat diese Person zur Seite geblickt und kurz seinen Text unterbrochen.

Meinen Standpunkt kennt ihr ja nun. Aber wie seht ihr das? Unterstützt ihr Kickstarterprojekte die keine prominente Unterstützung haben? Was findet ihr wichtig, worauf legt ihr Wert bei einem Kickstarterprojekt?

Ich würde gerne eure Meinung zu diesem Thema lesen.

Aktualisiert: 12.05.12 um 18:25 von MeisterGlanz

Stichworte: kickstarter Stichworte bearbeiten
Kategorien
Kommentar , Publisher , DRM , Entwickler , Spiele

Kommentare

  1. Avatar von SmilingDemon
    Ich finde dieses Kickstarter eine Irre tolle Innovation!
    Ich würde auch mit Begeisterung alles mögliche dabei unterstützen.
    Ich hab ja auch dieses Comic Kickstarter Projekt hier schon erwähnt welches ich sehr beeindruckend fand!
    Leider steht meine Begeisterung in krassem Gegensatz zur Realität meiner Einkommenssituation
    Daher sehe ich mir Vorschläge immer gerne an, muss aber leider davon Abstand nehmen unkontrolliert die Kreditkarte zum Einsatz zu bringen.

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